Psychotherapie Fachbegriffe
Glossar / Lexikon
Fachbegriffe einfach erklärt
In der Psychotherapie werden viele Fachbegriffe verwendet, die für Patienten oft schwer einzuordnen sind. In diesem Glossar erklären wir die wichtigsten psychologischen Begriffe verständlich und praxisnah.
C
P
A
Achtsamkeit
Achtsamkeit beschreibt eine bewusste, nicht wertende Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Dabei werden Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen wahrgenommen, ohne sie zu bewerten oder verändern zu wollen.
In der Psychotherapie werden Achtsamkeitsübungen eingesetzt, um einen anderen Umgang mit belastenden Gedanken und Emotionen zu entwickeln. Ziel ist es, mehr innere Distanz zu schaffen und automatisierte Reaktionen zu durchbrechen.
Affektregulation
Affektregulation wird häufig auch als Emotionsregulation bezeichnet. Sie beschreibt die Fähigkeit, mit eigenen Gefühlen umzugehen.
Siehe auch: Emotionsregulation
Agoraphobie
Bei einer Agoraphobie treten Ängste in Situationen auf, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder in denen im Notfall keine Hilfe verfügbar wäre. Typische Beispiele sind öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmengen, weite Plätze oder das Alleinsein außerhalb der eigenen Wohnung. Viele Betroffene entwickeln ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, wodurch sich der Bewegungsradius zunehmend einschränken kann.
Akutbehandlung
Eine Akutbehandlung ist eine kurzfristige psychotherapeutische Intervention in Krisensituationen. Sie umfasst bis zu 24 Sitzungen und kann zeitnah begonnen werden, wenn eine akute psychische Belastung vorliegt. Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die akute Symptomatik zu stabilisieren. Bei Bedarf kann im Anschluss eine weiterführende Psychotherapie beantragt werden.
Angststörung
Eine Angststörung liegt vor, wenn Ängste über einen längeren Zeitraum bestehen, sehr intensiv auftreten oder den Alltag deutlich einschränken. Angststörungen können sich in verschiedenen Formen äußern, beispielsweise als Panikattacken, Phobien oder anhaltende Sorgen. Viele Betroffene entwickeln Vermeidungsverhalten, wodurch sich die Beschwerden langfristig oft verstärken.
Anspannung
Anspannung beschreibt einen Zustand erhöhter körperlicher oder psychischer Erregung. Viele Menschen erleben anhaltende Anspannung beispielsweise bei Angststörungen, Stress oder Belastungsreaktionen. Körperlich kann sich dies durch Muskelverspannungen, Unruhe, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten äußern. Längerfristige Anspannung kann zu Erschöpfung und psychosomatischen Beschwerden führen.
Approbation
Die Approbation ist die staatliche Zulassung zur Ausübung der Heilkunde. Sie ist Voraussetzung für die selbstständige Tätigkeit als Psychotherapeut/in. Die Approbation wird nach einem abgeschlossenen Studium (Psychologie oder Medizin) und einer mehrjährigen psychotherapeutischen Weiterbildung mit staatlicher Prüfung erteilt. Sie stellt ein wichtiges Qualitätsmerkmal dar.
B
Belastung
Belastung bezeichnet äußere oder innere Anforderungen, die als herausfordernd oder überfordernd erlebt werden. Belastungen können vielfältiger Natur sein – beruflich, privat, gesundheitlich oder sozial. Ob eine Belastung zu psychischen Beschwerden führt, hängt unter anderem von der Intensität, Dauer und den verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten ab.
Belastungsreaktion
Eine Belastungsreaktion entsteht als Folge außergewöhnlicher Belastungen oder einschneidender Lebensereignisse. Typische Symptome können Niedergeschlagenheit, Ängste, innere Unruhe, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten sein. Belastungsreaktionen können vorübergehend auftreten oder sich zu länger anhaltenden Beschwerden entwickeln. Eine psychotherapeutische Unterstützung kann dabei helfen, neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Bulimie / Bulimia nervosa
Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, ist eine Essstörung, die durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet ist, bei denen große Mengen an Nahrung in kurzer Zeit unkontrolliert gegessen werden. Anschließend versuchen Betroffene, eine Gewichtszunahme durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, exzessiven Sport oder Fasten zu verhindern. Häufig bestehen starke Ängste vor Gewichtszunahme, ein gestörtes Körperbild und Scham- oder Schuldgefühle. Bulimie kann erhebliche körperliche und psychische Folgen haben und erfordert in der Regel eine spezialisierte Behandlung.
Burnout
Burnout beschreibt einen Zustand emotionaler, psychischer und körperlicher Erschöpfung, der häufig im beruflichen Kontext entsteht. Betroffene erleben oft anhaltende Überforderung, Erschöpfung, inneren Rückzug, verminderte Leistungsfähigkeit und zunehmenden Zynismus. Burnout entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und kann mit Depressionen, Angststörungen oder psychosomatischen Beschwerden einhergehen.
C
Coping
Coping bezeichnet die Art und Weise, wie Menschen mit belastenden Situationen, Stress oder schwierigen Gefühlen umgehen. Dabei können unterschiedliche Strategien zum Einsatz kommen – manche sind hilfreich und entlastend, andere können Beschwerden langfristig verstärken. In der Psychotherapie geht es oft darum, ungünstige Bewältigungsmuster zu erkennen und neue, förderlichere Strategien zu entwickeln.
D
Depression
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und oft auch körperlichen Beschwerden einhergeht. Viele Betroffene erleben zudem Grübeln, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Selbstzweifel oder ein Gefühl innerer Leere. Depressionen können in unterschiedlicher Intensität und Dauer auftreten und schränken den Alltag häufig erheblich ein.
Dissoziation
Dissoziation beschreibt eine Abspaltung von Wahrnehmungen, Gefühlen, Gedanken oder Erinnerungen. Betroffene erleben beispielsweise ein Gefühl der Unwirklichkeit, als stünden sie neben sich selbst, oder können sich an bestimmte Zeiträume nicht erinnern. Dissoziative Symptome treten häufig im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen auf und können eine unbewusste Schutzreaktion darstellen.
E
Emotionen
Emotionen sind Gefühlszustände wie Freude, Trauer, Angst, Wut oder Scham. Sie entstehen als Reaktion auf innere oder äußere Ereignisse und beeinflussen unser Denken, Verhalten und körperliches Befinden. In der Psychotherapie spielt der Umgang mit schwierigen Emotionen häufig eine zentrale Rolle – beispielsweise wenn Gefühle als überwältigend erlebt werden oder nur eingeschränkt wahrgenommen werden können.
Emotionsregulation
Emotionsregulation bezeichnet die Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Dazu gehört, Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen, zu akzeptieren und bei Bedarf zu beeinflussen. Schwierigkeiten in der Emotionsregulation können bei verschiedenen psychischen Beschwerden auftreten – beispielsweise wenn Gefühle als unkontrollierbar erlebt werden oder dauerhaft unterdrückt werden. In der Therapie können Strategien entwickelt werden, um einen förderlicheren Umgang mit Emotionen zu ermöglichen.
Erschöpfung
Erschöpfung beschreibt einen Zustand anhaltender körperlicher, psychischer oder emotionaler Müdigkeit. Betroffene fühlen sich kraftlos, ausgelaugt und können sich oft auch durch Erholung nicht mehr regenerieren. Erschöpfung kann im Zusammenhang mit Stress, Überlastung, Burnout oder Depressionen auftreten und den Alltag zunehmend beeinträchtigen.
Essstörung
Essstörungen sind psychische Erkrankungen, die sich durch ein gestörtes Verhältnis zum Essen und zum eigenen Körper auszeichnen. Zu den häufigsten Formen gehören Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) und die Binge-Eating-Störung (wiederkehrende Essanfälle). Essstörungen gehen oft mit starken Ängsten vor Gewichtszunahme, Körperbildstörungen und erheblichem Leidensdruck einher.
Exposition / Konfrontation
Exposition bezeichnet eine therapeutische Methode, bei der sich Betroffene schrittweise und begleitet angstauslösenden Situationen oder Reizen aussetzen. Durch die wiederholte Konfrontation kann die Erfahrung entstehen, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben und die Angst mit der Zeit nachlässt. Exposition wird häufig bei Angststörungen, Phobien und Zwangsstörungen eingesetzt.
F
Flashback
Ein Flashback beschreibt das plötzliche, intensive Wiedererleben eines vergangenen traumatischen Ereignisses. Betroffene erleben die Situation so, als würde sie gerade geschehen – mit allen dazugehörigen Gefühlen, Körperempfindungen und Sinneseindrücken. Flashbacks treten häufig im Zusammenhang mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf und können sehr belastend sein.
G
Generalisierte Angststörung
Bei einer generalisierten Angststörung erleben Betroffene über einen längeren Zeitraum anhaltende Sorgen und Ängste, die sich auf viele verschiedene Lebensbereiche beziehen können. Typisch sind ständiges Grübeln, „Was-wäre-wenn"-Gedanken und eine dauerhafte innere Anspannung. Häufig kommen körperliche Beschwerden wie Muskelverspannungen, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten hinzu. Die Sorgen lassen sich meist nur schwer kontrollieren.
Grübeln
Grübeln beschreibt ein wiederholtes, oft zwanghaftes Nachdenken über Probleme, vergangene Ereignisse oder mögliche negative Entwicklungen. Die Gedanken kreisen dabei häufig um die gleichen Themen, ohne zu einer Lösung zu führen. Grübeln tritt besonders häufig bei Depressionen und Angststörungen auf und kann die Beschwerden zusätzlich verstärken.
Gruppentherapie
In der Gruppentherapie werden mehrere Patient/innen gemeinsam in einem therapeutisch begleiteten Rahmen behandelt. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann dabei helfen, mit den eigenen Beschwerden nicht allein zu sein, neue Perspektiven zu entwickeln und soziale Unterstützung zu erleben. Gruppentherapie kann je nach Schwerpunkt unterschiedlich gestaltet sein und wird häufig bei Depressionen, Angststörungen oder anderen psychischen Belastungen eingesetzt.
H
Hypervigilanz
Hypervigilanz beschreibt einen Zustand ständiger Überwachung und erhöhter Wachsamkeit. Betroffene sind dauerhaft angespannt, schreckhaft und auf mögliche Bedrohungen fokussiert. Selbst in sicheren Situationen fällt es schwer, zur Ruhe zu kommen oder sich zu entspannen. Hypervigilanz tritt häufig nach traumatischen Erfahrungen auf und kann ein Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sein. Langfristig kann die anhaltende Anspannung zu Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten führen.
I
Intrusion
Intrusion bezeichnet das ungewollte, oft plötzliche Eindringen belastender Erinnerungen, Bilder oder Gedanken. Betroffene erleben diese Erinnerungen als aufdringlich und unkontrollierbar. Intrusionen treten häufig im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen auf und können tagsüber oder in Form von Albträumen auftreten. Sie sind ein typisches Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
K
Kognition
Kognition bezeichnet Denkprozesse wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Bewertung oder Überzeugungen. In der Psychotherapie – insbesondere in der kognitiven Verhaltenstherapie – wird untersucht, welche Gedanken und Bewertungen belastende Gefühle oder Verhaltensweisen aufrechterhalten. Durch die Arbeit an ungünstigen Denkmustern können oft neue Perspektiven entwickelt werden.
Komorbidität
Komorbidität beschreibt das gleichzeitige Auftreten mehrerer psychischer oder körperlicher Erkrankungen bei einer Person. Beispielsweise können Angststörungen und Depressionen häufig gemeinsam auftreten. Das Vorliegen mehrerer Erkrankungen kann die Diagnostik und Behandlung komplexer gestalten.
Komplexe PTBS
Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung entsteht als Folge schwerer, oft langanhaltender oder wiederholter Traumatisierungen – beispielsweise durch Missbrauch, Vernachlässigung oder Gewalt über längere Zeiträume. Neben den typischen PTBS-Symptomen können Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen auftreten. Die Behandlung erfordert häufig einen längeren therapeutischen Prozess.
Konsiliarbericht
Der Konsiliarbericht ist eine ärztliche Stellungnahme, die vor Beginn einer Psychotherapie eingeholt werden muss. Darin wird bestätigt, dass keine körperlichen Ursachen für die psychischen Beschwerden vorliegen und dass aus medizinischer Sicht keine Gründe gegen eine Psychotherapie sprechen. Der Bericht wird von einem Arzt oder einer Ärztin ausgestellt und ist Voraussetzung für die Beantragung einer Psychotherapie bei der Krankenkasse.
Krise
Eine psychische Krise entsteht, wenn belastende Ereignisse oder Lebensumstände die bisherigen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen. Betroffene erleben oft Gefühle von Hilflosigkeit, Überforderung oder Verzweiflung. Krisen können durch äußere Ereignisse (z. B. Trennungen, Verluste, berufliche Belastungen) oder durch innere Prozesse ausgelöst werden. In akuten Krisensituationen kann eine zeitnahe psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein.
Kurzzeittherapie
Eine Kurzzeittherapie umfasst 12 bis 24 Therapiestunden und kann in zwei Schritten beantragt werden (zunächst 12, bei Bedarf Verlängerung um weitere 12 Stunden). Sie eignet sich für klar umschriebene Beschwerden oder als erste Behandlungsphase. Bei Bedarf kann im Anschluss eine Langzeittherapie beantragt werden. Die Beantragung erfolgt über die Krankenkasse, wobei die erbrachten Stunden der Kurzzeittherapie auf eine spätere Langzeittherapie angerechnet werden können.
L
Langzeittherapie
Eine Langzeittherapie umfasst mehr als 24 Therapiestunden und wird bei komplexeren oder länger bestehenden psychischen Beschwerden eingesetzt. Die Anzahl der bewilligten Stunden hängt vom Therapieverfahren und der Schwere der Erkrankung ab. Vor Beginn einer Langzeittherapie muss ein ausführlicher Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden, der von einem unabhängigen Gutachter geprüft wird.
P
Paartherapie
In der Paartherapie werden beide Partner/innen gemeinsam behandelt. Ziel ist es, Kommunikationsmuster zu verbessern, Konflikte besser zu verstehen und neue Lösungswege zu entwickeln. Paartherapie kann bei Beziehungskrisen, wiederkehrenden Konflikten oder dem Wunsch nach Veränderung in der Partnerschaft hilfreich sein. Die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen ist in der Regel nicht gegeben – Paartherapie wird meist privat abgerechnet.
Panikattacke / Panikstörung
Eine Panikattacke ist eine plötzlich auftretende, intensive Angstreaktion, die von starken körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern oder Engegefühl in der Brust begleitet wird. Viele Betroffene befürchten während einer Panikattacke, einen Herzinfarkt zu erleiden oder die Kontrolle zu verlieren. Von einer Panikstörung spricht man, wenn wiederholt Panikattacken auftreten und eine ausgeprägte Angst vor weiteren Attacken besteht.
Paruresis
Paruresis, auch als „Schüchterne Blase" bezeichnet, beschreibt die Schwierigkeit oder Unfähigkeit, in Anwesenheit anderer Personen oder in öffentlichen Toiletten Wasser zu lassen. Betroffene erleben dabei oft starke Anspannung, Angst vor Bewertung oder die Sorge, beobachtet zu werden. Paruresis kann den Alltag erheblich einschränken und zu Vermeidungsverhalten führen. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, die zugrunde liegenden Ängste zu bearbeiten und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörungen bezeichnen langanhaltende, tief verwurzelte Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster, die von den Erwartungen der jeweiligen Kultur deutlich abweichen und zu erheblichen Schwierigkeiten im Alltag führen. Betroffene erleben oft Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Umgang mit sich selbst oder in der Emotionsregulation. Es gibt verschiedene Formen von Persönlichkeitsstörungen, die unterschiedliche therapeutische Ansätze erfordern können.
Phobie
Eine Phobie ist eine ausgeprägte, anhaltende Angst vor bestimmten Objekten, Situationen oder Lebewesen. Typische Beispiele sind Höhenangst, Spinnenangst, Angst vor engen Räumen oder vor bestimmten Tieren. Die Angst wird als übertrieben oder unvernünftig erkannt, kann jedoch im Moment der Konfrontation kaum kontrolliert werden. Häufig führt dies zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten, wodurch der Alltag zunehmend eingeschränkt wird.
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann nach extrem belastenden oder traumatischen Ereignissen entstehen – beispielsweise nach Unfällen, Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen oder lebensbedrohlichen Situationen. Typische Symptome sind das ungewollte Wiedererleben des Traumas (Flashbacks, Albträume), Vermeidungsverhalten, Übererregung, Schlafstörungen und emotionale Taubheit. Die PTBS kann auch erst Wochen oder Monate nach dem traumatischen Ereignis auftreten.
Probatorik / Probatorische Sitzungen
Probatorische Sitzungen sind die ersten 2 bis 5 Therapiestunden, die dem gegenseitigen Kennenlernen dienen und vor Beginn der eigentlichen Psychotherapie stattfinden. In dieser Zeit können Patient/in und Therapeut/in prüfen, ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist. Zudem werden die Beschwerden genauer erfasst, die Indikation für eine Psychotherapie geklärt und erste Therapieziele besprochen. Die Probatorik wird von der Krankenkasse übernommen.
Psychiater
Ein/e Psychiater/in ist ein/e Arzt/Ärztin mit einer Facharztausbildung im Bereich psychischer Erkrankungen. Psychiater/innen können – im Gegensatz zu Psychologischen Psychotherapeut/innen – Medikamente verschreiben und Krankschreibungen ausstellen. Häufig wird eine psychiatrische Behandlung begleitend zu einer Psychotherapie durchgeführt, insbesondere wenn eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll erscheint.
Psychose
Eine Psychose ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, bei der der Bezug zur Realität beeinträchtigt ist. Betroffene können Wahnvorstellungen, Halluzinationen, desorganisiertes Denken oder stark verändertes Verhalten erleben. Psychotische Symptome können im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten – beispielsweise bei Schizophrenie, schweren Depressionen oder nach traumatischen Erlebnissen. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig und umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Therapie und psychotherapeutischer Unterstützung.
Psychoedukation
Psychoedukation bezeichnet die Vermittlung von Informationen über psychische Erkrankungen, deren Entstehung, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, Betroffenen ein besseres Verständnis für ihre Beschwerden zu ermöglichen und sie dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken. Psychoedukation ist häufig ein wichtiger Bestandteil psychotherapeutischer Behandlung und kann in Einzel- oder Gruppensettings stattfinden.
Psychologe
Ein/e Psychologe/Psychologin hat ein Psychologiestudium an einer Universität abgeschlossen. Psycholog/innen ohne psychotherapeutische Weiterbildung dürfen keine Psychotherapie durchführen und können sich nicht in eigener Praxis niederlassen. Sie arbeiten beispielsweise in Beratungsstellen, Kliniken, Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Nur nach einer mehrjährigen psychotherapeutischen Weiterbildung und staatlicher Prüfung darf die Berufsbezeichnung „Psychologische/r Psychotherapeut/in" geführt werden.
Psychologischer Psychotherapeut
Ein/e Psychologische/r Psychotherapeut/in hat nach einem abgeschlossenen Psychologiestudium eine mehrjährige psychotherapeutische Weiterbildung absolviert und eine staatliche Prüfung (Approbation) abgelegt. Die Berufsbezeichnung ist seit 1999 gesetzlich geschützt und stellt ein wichtiges Qualitätsmerkmal dar. Psychologische Psychotherapeut/innen behandeln psychische Störungen bei Erwachsenen, dürfen jedoch – im Gegensatz zu Psychiater/innen – keine Medikamente verschreiben.
Psychosomatik / Psychosomatische Beschwerden
Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Symptome, für die keine oder keine ausreichende organische Ursache gefunden werden kann. Typische Beispiele sind chronische Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Tinnitus oder Atembeschwerden. Die Beschwerden sind real und belastend, stehen jedoch in Zusammenhang mit psychischen Faktoren wie Stress, Angst oder unverarbeiteten Konflikten. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und einen förderlicheren Umgang mit den Beschwerden zu entwickeln.
Psychotherapie
Psychotherapie ist die professionelle Behandlung psychischer Erkrankungen und seelischer Belastungen durch psychologische Methoden. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, Verhaltens- und Denkmuster zu verändern und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt verschiedene psychotherapeutische Verfahren (z. B. Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), die sich in ihren theoretischen Grundlagen und Methoden unterscheiden. Eine Psychotherapie erfordert die aktive Mitarbeit der Patient/innen.
Psychosomatik / Psychosomatische Beschwerden
Psychosomatische Beschwerden sind körperliche Symptome, für die keine oder keine ausreichende organische Ursache gefunden werden kann. Typische Beispiele sind chronische Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Tinnitus oder Atembeschwerden. Die Beschwerden sind real und belastend, stehen jedoch in Zusammenhang mit psychischen Faktoren wie Stress, Angst oder unverarbeiteten Konflikten. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, die Zusammenhänge besser zu verstehen und einen förderlicheren Umgang mit den Beschwerden zu entwickeln.
R
Resilienz
Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit – also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen, Krisen oder Belastungen zu bewältigen, ohne langfristig daran zu zerbrechen. Resilienz kann durch verschiedene Faktoren gestärkt werden, beispielsweise durch soziale Unterstützung, förderliche Bewältigungsstrategien oder ein stabiles Selbstwertgefühl. In der Psychotherapie kann daran gearbeitet werden, die eigene Resilienz zu stärken.
Ressourcen
Ressourcen sind persönliche Stärken, Fähigkeiten, soziale Beziehungen oder äußere Umstände, die dabei helfen können, Belastungen zu bewältigen und psychische Gesundheit zu fördern. Beispiele sind soziale Unterstützung, Hobbys, Problemlösefähigkeiten oder positive Lebenserfahrungen. In der Psychotherapie wird häufig daran gearbeitet, vorhandene Ressourcen zu erkennen, zu aktivieren und neue zu entwickeln.
S
Schematherapie
Schematherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das insbesondere bei länger bestehenden psychischen Belastungen und Persönlichkeitsstörungen eingesetzt wird. Sie geht davon aus, dass bestimmte grundlegende Überzeugungen und Verhaltensmuster („Schemata") in der Kindheit entstehen und im Erwachsenenalter zu wiederkehrenden Schwierigkeiten führen können. Ziel der Schematherapie ist es, diese Muster zu erkennen, zu verstehen und schrittweise zu verändern.
Schlafstörung
Schlafstörungen umfassen Schwierigkeiten beim Einschlafen, Durchschlafen oder zu frühes Erwachen sowie nicht erholsamen Schlaf. Sie können über einen längeren Zeitraum bestehen und den Alltag erheblich beeinträchtigen. Häufig treten Schlafstörungen im Zusammenhang mit Stress, Angststörungen, Depressionen oder Grübeln auf. Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei helfen, ungünstige Schlafgewohnheiten zu verändern und zugrunde liegende Belastungen zu bearbeiten.
Selbstfürsorge
Selbstfürsorge beschreibt die bewusste Sorge um das eigene körperliche, emotionale und psychische Wohlbefinden. Dazu gehören beispielsweise ausreichend Erholung, gesunde Ernährung, Bewegung, soziale Kontakte oder das Setzen von Grenzen. Viele Menschen mit psychischen Belastungen vernachlässigen ihre Selbstfürsorge oder empfinden sie als egoistisch. In der Psychotherapie kann daran gearbeitet werden, einen förderlicheren Umgang mit den eigenen Bedürfnissen zu entwickeln.
Selbstwert
Selbstwert bezeichnet die Bewertung der eigenen Person – also wie Menschen über sich selbst denken und fühlen. Ein niedriger Selbstwert geht häufig mit Selbstzweifeln, dem Gefühl von Unzulänglichkeit oder übermäßiger Selbstkritik einher. Probleme im Selbstwertgefühl können bei vielen psychischen Erkrankungen eine Rolle spielen, beispielsweise bei Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen. In der Therapie kann daran gearbeitet werden, ein realistischeres und wohlwollenderes Selbstbild zu entwickeln.
Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit beschreibt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Herausforderungen bewältigen und Ziele erreichen zu können. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit fühlen sich eher in der Lage, schwierige Situationen zu meistern. Ein geringes Selbstwirksamkeitserleben kann dazu führen, dass Aufgaben vermieden oder gar nicht erst angegangen werden. In der Psychotherapie können Erfahrungen gemacht werden, die das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken.
Soziale Phobie / Soziale Angststörung
Bei einer sozialen Phobie besteht eine ausgeprägte Angst vor sozialen Situationen, in denen Betroffene befürchten, negativ bewertet, abgelehnt oder bloßgestellt zu werden. Typische Situationen sind beispielsweise Vorträge, Gespräche mit Unbekannten, Essen in der Öffentlichkeit oder der Besuch von Veranstaltungen. Die Angst führt häufig zu starkem Vermeidungsverhalten und kann berufliche, soziale und private Lebensbereiche erheblich einschränken.
Stressbewältigung
Stressbewältigung bezeichnet Strategien und Fähigkeiten, um mit belastenden Situationen und Anforderungen umzugehen. Dazu können beispielsweise Entspannungsverfahren, Zeitmanagement, soziale Unterstützung, körperliche Aktivität oder das Setzen von Grenzen gehören. In der Psychotherapie kann daran gearbeitet werden, individuelle Stressbewältigungsstrategien zu entwickeln und ungünstige Bewältigungsmuster – wie Vermeidung, übermäßigen Konsum oder sozialen Rückzug – zu verändern.
Stressreaktion
Eine Stressreaktion beschreibt die körperliche und psychische Reaktion auf belastende Anforderungen. Kurzfristig können Stressreaktionen sinnvoll und aktivierend sein. Bei anhaltender oder übermäßiger Belastung können jedoch Beschwerden wie innere Unruhe, Anspannung, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung oder körperliche Symptome auftreten. Chronischer Stress kann langfristig zu psychischen und körperlichen Erkrankungen beitragen.
T
Therapieantrag
Ein Therapieantrag wird bei der Krankenkasse gestellt, wenn eine Langzeittherapie (mehr als 24 Stunden) durchgeführt werden soll. Der Antrag enthält Informationen über die Diagnose, die bisherige Entwicklung der Beschwerden und die geplante Behandlung. Er wird von einem unabhängigen Gutachter geprüft, der eine Empfehlung ausspricht. Die Krankenkasse entscheidet anschließend über die Bewilligung der beantragten Therapiestunden.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist ein anerkanntes Psychotherapieverfahren, das davon ausgeht, dass aktuelle psychische Beschwerden häufig mit unbewussten Konflikten, frühen Beziehungserfahrungen oder nicht verarbeiteten Belastungen zusammenhängen. Ziel ist es, diese Zusammenhänge zu verstehen und dadurch eine Veränderung zu ermöglichen. Die Behandlung erfolgt in der Regel im Sitzen und ist auf aktuelle Beschwerden fokussiert.
Trauma
Ein Trauma bezeichnet ein extrem belastendes Ereignis, das die Bewältigungsmöglichkeiten eines Menschen übersteigt und tiefgreifende psychische Folgen haben kann. Traumatische Erfahrungen können beispielsweise Unfälle, Gewalterfahrungen, Naturkatastrophen, lebensbedrohliche Erkrankungen oder der plötzliche Verlust nahestehender Personen sein. Nicht jede belastende Erfahrung führt zu einer Traumafolgestörung, jedoch können traumatische Ereignisse das Erleben, Denken und Verhalten nachhaltig beeinflussen.
Traumafolgestörung
Traumafolgestörungen umfassen psychische Erkrankungen, die als Folge traumatischer Erfahrungen entstehen können. Die häufigste Form ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), es können jedoch auch andere Beschwerden auftreten – beispielsweise Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsveränderungen oder Schwierigkeiten in der Emotionsregulation. Traumafolgestörungen können unmittelbar nach einem Trauma auftreten oder sich erst Monate bis Jahre später entwickeln. Eine spezialisierte traumatherapeutische Behandlung kann dabei helfen, die Folgen zu verarbeiten.
Traumatherapie
Traumatherapie bezeichnet psychotherapeutische Verfahren, die speziell auf die Behandlung von Traumafolgestörungen ausgerichtet sind. Ziel ist es, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, belastende Symptome wie Flashbacks oder Übererregung zu reduzieren und mehr innere Stabilität zu entwickeln. Traumatherapie arbeitet häufig in mehreren Phasen: zunächst Stabilisierung, dann behutsame Auseinandersetzung mit dem Trauma und schließlich Integration der Erfahrungen. Es gibt verschiedene traumatherapeutische Ansätze, die je nach individueller Situation eingesetzt werden können.
Trigger
Ein Trigger ist ein Auslöser, der belastende Erinnerungen, Gefühle oder körperliche Reaktionen hervorruft. Trigger können Sinneseindrücke (Gerüche, Geräusche, Bilder), Situationen, Orte oder bestimmte Worte sein. Besonders bei traumatischen Erfahrungen können Trigger dazu führen, dass Betroffene das ursprüngliche Ereignis erneut intensiv erleben. In der Therapie kann daran gearbeitet werden, Trigger zu erkennen und einen besseren Umgang damit zu entwickeln.
Ü
Überforderung
Überforderung entsteht, wenn die Anforderungen einer Situation die verfügbaren Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen. Betroffene erleben oft das Gefühl, den Aufgaben nicht gewachsen zu sein, die Kontrolle zu verlieren oder nicht mehr weiterzuwissen. Anhaltende Überforderung kann zu Erschöpfung, Angst, depressiven Symptomen oder körperlichen Beschwerden führen. In der Psychotherapie kann daran gearbeitet werden, Belastungen realistischer einzuschätzen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
V
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie ist ein wissenschaftlich fundiertes Psychotherapieverfahren, das davon ausgeht, dass viele Verhaltensweisen, Denkmuster und emotionale Reaktionen im Laufe des Lebens erlernt wurden – und daher auch wieder verändert werden können. Ziel ist es, ungünstige Muster zu erkennen und durch förderlichere zu ersetzen. Die Verhaltenstherapie arbeitet strukturiert, zielorientiert und bezieht aktuelle Beschwerden und den Alltag der Patient/innen aktiv ein. Sie wird bei vielen psychischen Erkrankungen eingesetzt.
Vermeidungsverhalten
Vermeidungsverhalten beschreibt das bewusste oder unbewusste Meiden von Situationen, Orten, Personen oder Gedanken, die unangenehme Gefühle – insbesondere Angst – auslösen könnten. Kurzfristig wirkt Vermeidung oft entlastend, langfristig verstärkt sie jedoch häufig die zugrunde liegenden Ängste und schränkt den Handlungsspielraum zunehmend ein. Vermeidungsverhalten tritt besonders häufig bei Angststörungen, Phobien und Traumafolgestörungen auf.
Z
Zwangsstörung
Bei einer Zwangsstörung treten wiederkehrende, ungewollte Gedanken (Zwangsgedanken) oder das Bedürfnis auf, bestimmte Handlungen immer wieder auszuführen (Zwangshandlungen). Typische Beispiele sind Waschzwänge, Kontrollzwänge oder Ordnungszwänge. Betroffene erleben diese Gedanken oder Handlungen meist als übertrieben oder unsinnig, können sie jedoch nicht unterdrücken. Der Versuch, Zwänge zu widerstehen, führt oft zu starker innerer Anspannung. Zwangsstörungen können den Alltag erheblich beeinträchtigen und erfordern häufig eine spezialisierte Behandlung.
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